Nadine Simshäuser (Continental)

Wie ist ein duales Maschinenbaustudium wirklich, Nadine Simshäuser?

Welche Eigenschaften hat das Gummi eines guten Reifens? Nadine Simshäuser entwickelt für Continental neue Gummimischungen. Die 25-jährige Ingenieurin aus Meineringhausen erzählt im Interview, womit sie in einem männlich dominierten Arbeitsumfeld zu kämpfen hat und was sie während ihres Amerikaaufenthaltes gelernt hat.

 

Liebe Nadine, du hast Maschinenbau studiert. Woher kommt deine Begeisterung für Technik?

Dass ich Technik interessant finde, habe ich schon als Kind in der Werkstatt des Elektrobetriebs meines Opas entdeckt. Dort durfte ich mich ein wenig ausprobieren.

In der Schulzeit habe ich ein freiwilliges Praktikum bei der Continental Korbach im chemischen Bereich gemacht. Dabei erhielt ich einen ersten Eindruck in das Berufsfeld und sofort stand für mich fest, dass ich einen technischen Beruf erlernen will. Ich habe mich dann für einen dualen Studienplatz im Bereich Maschinenbau – Produktionstechnik dort entschieden.

 

Sind dir schonmal Vorurteile gegenüber deiner Berufswahl begegnet?

Vorbehalte gegenüber Frauen in handwerklichen und technischen Berufen gibt es, klar. Aber ehrlich gesagt, bringt mich das nur zum Schmunzeln. Jeder sollte den Beruf ergreifen, der seinen Fähigkeiten entspricht. Nur so kann man Tag für Tag mit Freude zur Arbeit gehen.

Natürlich bleiben gewisse Vorurteile, auch im direkten Arbeitsumfeld, nicht aus und als Frau bekommt man manchmal das Gefühl vermittelt, sich in einer Männerwelt doppelt beweisen zu müssen. Die meisten Vorurteile lassen sich aber schnell aus dem Weg räumen.

 

Was magst du an deinem Beruf am liebsten?

Ich bin mitverantwortlich für die Herstellung von Versuchs-Gummimischungen im Korbacher Werk. Diese Mischungen fließen anschließend in Testreifen ein und werden auf speziellen Teststrecken auf ihre Eigenschaften getestet. Dafür sitze nicht nur am PC, sondern bin auch viel vor Ort und arbeite an den Maschinen. Ein gutes Netzwerk in die unterschiedlichen Abteilungen (Mischerei, Weiterverarbeitung und Prozesstechnik) und zu unserem Entwicklungsstandort in Hannover sind somit ein Muss, um gemeinsam neue Reifenentwicklungen voranzutreiben.

Seit etwa einem Jahr bin ich in der Abteilung Produktindustrialisierung (neue Reifen einführen). An der Arbeit dort gefällt mir besonders die Vielseitigkeit: Jeden Tag warten neue Herausforderungen und Aufgaben auf mich und meine Kollegen. Man lernt und wächst jeden Tag. Teamarbeit ist hier die wichtigste Basis.

Obwohl die Conti eines der größten Unternehmen in der Region ist, fühlt man sich als Teil einer großen Familie. Man bekommt Unterstützung, um sich fortzubilden, sodass ich nebenberuflich noch meinen Master erwerben konnte. Da wir auch im Ausland gut aufgestellt sind, durfte ich während meines Studiums auch an Projekten in anderen Standorten mitwirken und neue Erfahrungen sammeln.

 

Das klingt interessant! Wo warst du und was hast du erlebt?

Ich durfte acht Wochen an unserem Standort in South Carolina, Amerika verbringen. Dort hatte ich die Aufgabe, Lösungsvorschläge zu entwickeln, um die Stillstandszeiten einer Produktionsanlage für Reifen zu verringern. Da das Werk erst ein Jahr vorher mit der Reifenproduktion begonnen hatte, gab es viele Hürden, die es zu meistern galt.

Bereits am ersten Tag ist mir die offene Art der Amerikaner positiv aufgefallen. Jeder war interessiert, mehr über mich und meine duale Ausbildung zu erfahren. Besonders überrascht hat es mich, dass selbst vorgesetzte Kollegen einem direkt den Vornamen anbieten. Auch neben der Arbeit hatte ich eine tolle Zeit dort und lernte viele Menschen kennen, die zu Freunden wurden. Ich wurde zu BBQs eingeladen und an den Wochenenden unternahmen wir Trips in andere Städte. So habe ich New York und South Carolina erkundet.

Es macht einfach Spaß neue Kulturen, Länder und deren unterschiedlichen Arbeitsweisen kennenzulernen. Ich würde so ein Auslandspraktikum auf jeden Fall nochmal machen.

 

Was würdest du in Bezug auf deine Berufsgruppe ändern wollen?

Wenn das ginge, würde ich gerne die Vorurteile gegenüber Frauen in technischen Berufen aus den Köpfen der Menschen entfernen. Diese Denkweise ist einfach nicht mehr zeitgemäß, schließlich haben sich bereits viele Frauen in diesen Berufsfeldern bewährt.

 

Welche Pläne hast du für deine berufliche Zukunft?

Mit meiner aktuellen Position bin ich super zufrieden und erstmal dort angekommen, wo ich hinwollte. Ich fühle mich in meinem Team sehr wohl und mag meinen Job. Durch die große Vielseitigkeit meines Jobs gibt es noch viel zu lernen. – Frag‘ mich doch in ein paar Jahren nochmal! (lacht)

Alles klar! Vielen Dank für das Interview.

Nadine Simshäuser (Continental)

Zur Person

NADINE SIMSHÄUSER

Jahrgang 1994

Ich arbeite aktuell als Entwicklungsingenieurin für Kautschukmischungen und Prozesse bei Continental in Korbach

Studiert habe ich Maschinenbau – Produktionstechnik

Mein Zuhause ist aktuell Korbach

Meine Heimat ist Meineringhausen

Mein Lieblingsort in Waldeck-Frankenberg ist der Edersee